Termine


02.04.1949 – 03.04.1949
Nachtwache in der Kirche, Betstunde vor dem Allerheiligsten

Bericht von Kahi hierüber
Walter, der Sippenführer der Panther, zog gegen ½1 Uhr durch die Straßen der Vorstadt der Kirche entgegen, denn seine Stunde war die zwischen 1 und 2 Uhr. Taumelnd trunkene Gestalten begegneten ihm. Bald stand er vor dem Haupteingang, dieser war jedoch verschlossen. Die Tür des Seiteneinganges ließ sich ebenfalls nicht öffnen. Er stellte zum größten Erstaunen fest, daß in der ganzen Kirche kein Licht brannte. Auf dem Weg zur nächsten Tür sah er Licht durch das Fenster der Sakristei schimmern.
Wird Wap der Stämmige darinnen sitzen und seine Wache vorzeitig abgebrochen haben? So etwas gibt's doch nicht! Laut pfiff Walter den Stammesruf durch die Nachtstille. Gleich darauf wurde das Licht gelöscht. Dieses erschien Walter verdächtig. Schnellen Schrittes ging Walter zur Tür der Sakristei. Er wollte sie gerade öffnen, als ein Mann taumelnd herauskam. Im Flur wurde Schlüsselklirren hörbar, da flüsterten welche.
Kurz entschlossen sprang Walter zurück. „Einbrecher, Einbrecher sind es„, dachte er. Als er den ersten Mann erblickte, sprang er ihn an und versetzte ihm einige Faustschläge auf den Kopf, entfernte sich jedoch sogleich, denn es waren allem Anschein noch mehrere im Flur. Furchtbare Gedanken stiegen Walter in den Kopf: „Hätte ich nur mein Messer mitgenommen, wäre ich gegen alle angegangen!„. Diese Schufte! Wo ist Wap, der vorher Wache hatte? Erschlagen oder eingesperrt? Polizei alarmieren, die einzige Rettung.
Nach den verschiedensten Versuchen an den verschiedensten Stellen gab er es auf und rannte zur Wohnung des Stammesführers. Auf der einzigen Klingel der Altvilla schellte er S-O-S, ein wichtigeres Zeichen gab es nicht. Kahi erwachte erst, als alle anderen Hausbewohner schon übermunter geworden waren und auf den Eindringling und Ruhestörer den Hund zu schicken. Kahi, der am Fenster erschien, begriff viel zu langsam, was los war.
Gehetzt von fürchterlichen Worten wie, „tot – Einbruch – Diebstahl – Kirche – Verbrecher – Messer – Schufte„, sprang er in seine Tracht, die für die Sonntagsfahrt bereit lag. Das Messer in den Strumpf steckend sprang Kahi die Stufen treppenweise herunter. Dann folgte ein ungewöhnlich schneller Kirchlauf, bei dem der Sachverhalt geklärt wurde. Nachdem die 2. Tür der Sakristei nicht nachgab, trommelte man den ahnungslosen Küster aus dem Bett. Unvorsichtig öffnete er die Sakristeitür. Alles fand er drinnen unverändert vor. Kahis erster Schritt war in die Kirche, wo die Wache liegen mußte. Keiner war tot oder schwerverletzt noch lebendig zu finden. Kahi stand beratend im Rahmen der Tür des Sakristeieinganges.
Ruckartig drehte er sich plötzlich instinktiv um. Ein gewaltiger Schreck durchfuhr seine Glieder. Hinter ihm standen im dunklen Flur, die Hand am Revolver, … zwei … dunkel angezogene … kräftig aussehende … furchterregende … Polizisten: „Wo ist der Pastor? „Der liegt im Bett„, entgegnete der Küster. „Am Revier wurde angerufen, der Pastor sei in der Kirche überfallen worden und mit einem harten Gegenstand vor den Kopf geschlagen worden. Er ist jetzt im Krankenhaus.„ Unerklärlich, jedenfalls für Kahi und Walter.
Der Aufforderung des Polizisten folgend gingen sie auf den Kirchplatz. Kahi wagte auf Schritt und Tritt von der Polizei bewacht zu flüstern: „Mensch, du hast dem Pastor einige vor den Kopf versetzt!„ Walter entgegnete lauter: „Du bist verrückt, ich kenne doch wohl unseren Pastor.„ Der Polizist fragte draußen nach dem Sachverhalt. Walter brauchte nur einen Satz zu sagen, als der Polizist dasselbe wie Kahi vermutete.
Kahi mußte vor der Kirchentür stehen bleiben, während alle anderen zum Krankenhaus gingen. Sie fanden jedoch dort nicht den Pastor vor – Gott sei Dank – sondern den Vikar, der zum Versehgang mußte und dessen Vater, wie er nachher selbst sagte, „Backenstreiche„ erhielt. Sie hatten schneller laufen können und daher auch eher die Polizei alarmiert. Die Polizisten, die die beiden Herren zur Vikarie begleiteten, äußerten, daß sie glücklich wären, wenn sich jeder Fall so gut und leicht klären würde.
Jedenfalls war Walter "auf Draht". Der liebe gute gern gesehene Küster hatte den Jungen, der nach 12:00 Uhr an der Reihe war, nach Hause geschickt und die Türen verschlossen, weil von der Gemeinde niemand mehr betete. Die Schuldfrage wird noch geklärt.
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von Egon
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