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Kapitel 2: Der Stamm „Weiße Rose„ lebt

Das erste dreiwöchige Auslandssommerlager fand 1954 am Lauerzsee in der Schweiz statt. Eine erste Krisensituation in der Stammesgeschichte auf Grund sehr unterschiedlicher Meinungen über die Stammesarbeit konnte in diesem Jahr überwunden werden. Zwischen 1957 und 1963 übernahmen Theo Radhöfer und Vikar Bernhard Knoll die Stammesführung, denen Franz Pohl und Werner Kulpe als Stammesführer gemeinsam mit Kaplan Werner Müller als Kurat folgten.
Im Jahr 1967 begann die wohl größte Krise in der Entwicklung unseres Stammes. Überall erfuhr kirchliche Jugendarbeit einen vorher nie da gewesenen Niedergang. Von 15 Pfadfinderstämmen in Gelsenkirchen blieben nur drei Stämme bestehen. Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsenen kehrten kirchlicher Jugendarbeit den Rücken und standen für ehrenamtliche Mitarbeit nicht mehr zur Verfügung. Georg Mailinger und Kaplan Borowczyk übernahmen die Stammesführung. Ende 1968 hatte der Stamm nur noch acht Mitglieder und 65,00 DM Schulden, bevor Theo Radhöfer und Norbert Hoffmann mit neuen Impulsen und Ideen zu Hilfe kamen. Mit inzwischen wieder 15 Mitgliedern empfing 1969 eine „Skiffle-Group„ des Stammes die Gottesdienstbesucher – ein harter Kontrast zur feierlichen Orgelmusik beim Verlassen der Kirche. Der „ganze„ Stamm hatte sich auf dem Kirchplatz aufgebaut, um über pfadfinderische Jugendarbeit zu informieren. An zwei Aktionstagen auf den Kirchplätzen von St. Josef und St. Thomas Morus wurden 43 neue Mitglieder aufgenommen.

Ein neuer Start für den Stamm

Im Jahr 1969 begann eine Serie von Auslandsfahrten, die wesentlich zum Aufschwung des Stammes beitrugen. Mehr als 20 Jungpfadfinder unseres Stammes fuhren ins Diözesan-Seeräuberlager nach St. Nicolaasga in Holland. Der Pfadfindertrupp nahm zusammen mit französischen und tschechischen Pfadfindern am Diözesanlager in Les Chapieux bei Bourg St. Maurice im Mont-Blanc-Massiv teil, dem sich eine Woche Paris anschloss. Egon Klein, Werner Kulpe und Kaplan Heinz Matena übernahmen 1971 die Führung des Stammes. Die Rover waren in diesem Jahr die ersten Pfadfinder, die mit zwei VW-Bullys offiziell als katholische Pfadfinder in Pfadfinderkluft in die UdSSR nach Leningrad einreisen durften. Zeitgleich waren die Jungpfadfinder in „Rosenholt„ bei Dronninglund im Norden Dänemarks, während die Pfadfinderstufe nach Gol in Norwegen unterwegs war. Der Stamm wuchs auf 163 Mitglieder an.

Die ersten Mädchen werden in den Stamm aufgenommen

Die Wölflingsstufe nahm 1973 die ersten Mädchen auf – eine Entwicklung, die sich bald in der ganzen DPSG zeigte: Die DPSG wurde von einem reinen Jungenverband zu einem Kinder- und Jugendverband mit Mädchen und Jungen umgestaltet. Unser Stamm machte diese Entwicklung von Anfang an sehr verantwortungsbewusst mit. Die Sorge: „Von nun an geht's bergab!„ hat sich nie bestätigt. Heute sind männliche und weibliche Mitglieder aus dem Leben der Pfadfindergruppen nicht mehr hinwegzudenken, obwohl es nach wie vor die „Pfadfinderinnenschaft St. Georg„ gibt. Auch in unserer Gemeinde gab es eine Zeit lang eine PSG-Gruppe, wie es die weibliche „Frohschar„ (KFD) und die männliche „Jungschar„ (KJG) gab.
Am 7. November 1976 wurde bei einer außerordentlichen Stammesversammlung die Satzung für den „GEORGSPFADFINDER Gelsenkirchen-ückendorf e.V.„ beschlossen und die ersten Mitglieder für den Verein als Rechts- und Vermögensträger des Stammes gewählt. Mit der Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Gelsenkirchen am 14.11.1979 trat diese Satzung in Kraft. Inzwischen waren nach Gregor Jahnke, der 1978 die Stammesführung übernommen hatte, Rolf Terdenge und Ralf Roth zusammen mit Pater Roman, der Kaplan Goldstein als Kurat ablöste, im Stammesvorstand. Die Bezeichnungen und „Titel„ hatten sich auch geändert: Aus Gruppen- oder Stammes-„führern„ wurden „-leiter„ und die „Feldmeister„ in den Stämmen, im „Gau„ und im „Land„ wurden Vorsitzende von Bezirks- und Diözesanverband.

Der Stamm teilt sich auf

Im Jahr 1980 wurde deutlich, das ein Stamm mit diesen großen Mitgliederzahlen nur sehr schwer zu lenken war. Es gab zwei Wölflingsmeuten, zwei Jungpfadfindertrupps „Tornado„ und „Hurrikan„, einen männlichen und einen weiblichen Pfadfindertrupp und eine Roverschaft mit drei Roverrunden. Jede Gruppe wurde von einem Team aus drei bis vier Leiterrinnen und Leitern geführt. Alle Gruppen bestanden jeweils aus 20 bis 30 Mitgliedern. Für die monatliche Leiterrunde reichte der große Raum im Jugendheim nicht mehr aus.
Deshalb wurde die Aufteilung des Stammes in zwei Stämme für St. Josef und St. Thomas Morus geplant. Bevor es offiziell und im Einvernehmen dazu kam, wurde die Trennung sehr ungeschickt vollzogen, so dass es in der Anfangszeit zu erheblichen Spannungen zwischen den beiden Pfadfinderstämmen in Ückendorf kam. Heute sind diese Erinnerungen verblasst und schon mehrfach wurde durch gute gemeinsame Aktionen – zuletzt durch eine hervorragende Zusammenarbeit beim Weltjugendtag – bewiesen, dass Pfadfinder in Ückendorf nach wie vor gute Kinder- und Jugendarbeit leisten.
Andrea Fischer wurde 1984 zur ersten weiblichen Stammesvorsitzenden gewählt. Mädchen und Jungen sind inzwischen selbstverständlich und die heutigen Pfadfinder kennen die Zeit der strikten Geschlechtertrennung überhaupt nicht. Es gab immer wieder genügend junge Erwachsene, welche den Stamm weiterführten. Jubiläen für 25, 40 und 50 Jahre DPSG Weiße Rose konnten gefeiert werden und auch der Stamm Thomas Morus blickt schon auf sein 25-jähriges Bestehen zurück.
In Gelsenkirchen gibt es nur zwei Pfadfinderstämme, die seit ihrer Gründung ohne Unterbrechung existieren – unser Stamm gehört dazu und wir sind stolz darauf. Im Jubiläumslied von Bernd Holtmannspötter zum 40-zigsten Stammesjubiläum mit dem Motto: „Spuren …„ heißt es:
„Spuren durch die Jahre, Spuren durch die Zeit.
Von Menschen, von denen man sagt, sie war'n Allzeit bereit.„

Allzeit bereit sind auch heute noch beinahe 80 Jungen und Mädchen – Pfadfinder – in der Gemeinde St. Josef. Namen, Bezeichnungen, Formate haben sich gewandelt und sind der jeweiligen Zeit angepasst worden. Die Grundidee des Pfadfindertums, von Lord Baden Powell of Gilwell formuliert, ist immer noch weltweit verbreitet und hat in der DPSG und auch in der allgemeinen Pädagogik unserer Zeit ihren Bestand und ihre Anerkennung. Im Zeichen der Lilie treffen sich auch heute noch Mädchen und Jungen, um ihre Freizeit sinnvoller zu gestalten und um ihren Lebensweg zu finden.
Das sechzigste Stammesjubiläum ist nicht mehr weit!
Bericht: Nachtwache in der Kirche

von Egon
DPSG Stamm Weie Rose 06/06/02  |  Impressum  |  Anfahrt